Die Begriffe stammen aus den Ratgebern dieses Portals und sind dort mit Quellen belegt. Gesetzes-, Förder- und Normstände ändern sich; im Zweifel zählt die aktuelle Quelle.
Glossar
A
Algen- und Pilzbefall
Grau-grünlicher bis schwarzer Belag auf der Fassade, zuerst ein Aussehensproblem.
Nach dem Umweltbundesamt (UBA) ist für Algen- und Pilzbelag ein Verlust der bauphysikalischen Funktion nicht bekannt, es geht also zuerst um das Aussehen. Wo eine Wand rasch abtrocknen kann, siedelt sich weniger an. Besonders gefährdet sind schlagregen- und spritzwasserbelastete sowie dauerfeuchte Bereiche.
Anlage 7 (GModG)
Tabelle mit Höchstwerten für den Wärmedurchgang erneuerter Außenbauteile.
Für bestehende Gebäude regelt § 36 des Gebäudemodernisierungsgesetzes, dass erneuerte oder ersetzte Außenbauteile die Werte der Anlage 7 nicht überschreiten dürfen. Für Außenwände von Wohngebäuden nennt sie höchstens 0,24 W/(m²·K), etwa beim Erneuern des Außenputzes oder beim Anbringen einer Dämmschicht. Ein bloßer Anstrich steht nach unserer Lesart nicht in der Aufzählung.
D
Dämmbeschichtung
Hauchdünne Schicht, deren Wirkung überwiegend auf Herstellerangaben beruht.
Gerollte oder gespritzte Beschichtung, die nach Darstellung der Anbieter nicht über die Dicke, sondern über den Wärmeübergang an der Oberfläche wirken soll. Unabhängig veröffentlichte Messwerte für einzelne Fassaden sind uns nicht bekannt. Wer das in Betracht zieht, lässt sich Prüfbericht und Messung am eingebauten Bauteil zeigen.
Dämmputz
Putz mit Dämmzuschlägen, ein Eingriff mittlerer Tiefe.
Putz mit Dämmzuschlägen. Er verlangt eine Putzerneuerung, seine Wirkung hängt stark von Schichtdicke und Produkt ab. Wird dabei der Außenputz erneuert, kann Anlage 7 des GModG greifen.
Diffusionsoffen
Lässt Wasserdampf aus der Wand nach außen entweichen.
Diffusionsoffene Anstriche lassen Feuchtigkeit aus Putz und Mauerwerk austreten. Reine Silikatfarbe gilt als hochdiffusionsoffen. Eine Wand, die gut abtrocknet, ist weniger anfällig für Bewuchs.
Dispersionssilikatfarbe
Wasserglas plus organischer Anteil; haftet auch auf weniger idealen Untergründen.
Kombiniert Wasserglas mit einem organischen Anteil. Dadurch haftet sie auch auf alten Dispersionsanstrichen, der Vorteil der reinen Alkalität gegen Algen und Pilze schrumpft aber.
E
Energieeffizienz-Experte
Fachperson, die bei BAFA-Anträgen für die Gebäudehülle eingebunden sein muss.
Die BAFA-Seite zu Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle verlangt für die Antragstellung die Einbindung eines Energieeffizienz-Experten. Wer sanieren will, klärt mit ihm vor der Auftragsvergabe, welche Maßnahmen förderfähig sind – nicht danach.
F
Filmschutz (Biozide)
Wirkstoffe in der Farbschicht gegen Algen und Pilze, nur zeitlich begrenzt wirksam.
Filmschutz-Biozide in Farben und Putzen wirken nur begrenzt, weil die Wirkstoffe ausgewaschen oder abgebaut werden und mit dem Regen in Boden und Gewässer gelangen. Das UBA bevorzugt, wo technisch möglich, Materialien ohne zusätzliche biozide Ausrüstung. Anbieter müssen laut UBA auf Anfrage binnen 45 Tagen kostenfrei Auskunft geben.
G
GModG
Gebäudemodernisierungsgesetz, früher Gebäudeenergiegesetz (GEG).
Das frühere Gebäudeenergiegesetz trägt auf gesetze-im-internet.de seit Juli 2026 die Kurzbezeichnung Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Für die Fassade ist § 36 mit der Anlage 7 maßgeblich.
I
iSFP (Sanierungsfahrplan)
Individueller Sanierungsfahrplan; bringt bei BAFA-Förderung einen Bonus.
Laut BAFA-Seite gibt es für einen individuellen Sanierungsfahrplan einen Bonus von 5 Prozent, der bei Gebäuden mit einer Wohneinheit erst ab einem förderfähigen Mindestinvestitionsvolumen von 30.000 Euro gewährt wird. Maßgeblich sind die aktuellen Unterlagen des BAFA.
K
Kalkfarbe
Stark alkalisch, in der Regel ohne Biozide; wittert ab.
Kalkfarbe ist stark alkalisch und kommt deshalb in der Regel ohne Biozide aus. Sie wittert ab, ein Neuanstrich ist oft früher fällig; sie eignet sich eher für mineralische Putze.
Kerndämmung
Einblasdämmung im Hohlraum zweischaligen Mauerwerks.
Dämmstoff wird in den Hohlraum bei zweischaligem Mauerwerk eingeblasen. Der Eingriff in die Fassade ist gering (Bohrungen), die Eignung hängt vom Wandaufbau ab.
N
Naturfarbe
Kein einheitlich geregelter Begriff – nach der Deklaration fragen, nicht nach dem Werbewort.
Gemeint sind meist Farben auf mineralischer Basis, also Kalk oder Wasserglas, manchmal auch Produkte mit pflanzlichen Bindemitteln. Wer das Etikett ernst nehmen will, fragt nach der vollständigen Deklaration der Inhaltsstoffe. Entscheidend ist laut UBA nicht der Rohstoff, sondern ob die Farbe mit oder ohne Filmschutz ausgerüstet ist.
S
Schlagregen
Vom Wind gegen die Wand getriebener Regen – an der Küste die Regel.
Regen, den der Wind schräg gegen die Fassade treibt. Das UBA zählt schlagregenbelastete Bereiche zu den besonders gefährdeten. Im Norden ist die Wetterseite meist West oder Nord.
Silikatfarbe
Bindemittel Wasserglas; hochdiffusionsoffen, am besten auf mineralischem Untergrund.
Reine Silikatfarbe schützt laut WECOBIS durch ihren hohen pH-Wert vor Algen und Pilzen, ohne zugesetzte Konservierer. Sie funktioniert primär auf mineralischen Untergründen und nicht optimal auf organischen, etwa alten Kunstharzanstrichen.
U
U-Wert
Wärmedurchgangskoeffizient in W/(m²·K); kleiner ist besser.
Der U-Wert einer Wand ergibt sich aus dem Zusammenspiel aller Schichten und der Übergänge an Innen- und Außenoberfläche. Er ist die Messgröße für gesetzliche Anforderungen und Förderbedingungen.
W
WDVS
Wärmedämm-Verbundsystem: Außendämmung aus Platten mit Putzschicht.
Technisch ausgereift und weit verbreitet, verändert aber Proportionen, Fensterlaibungen und Details der Fassade und scheidet bei erhaltenswerten Straßenfronten oft aus. Das UBA führt gedämmte Fassaden unter dem Faktor Oberflächentemperatur mit höherem Befallsrisiko auf.
Wetterseite
Die Hausseite, die am meisten Regen abbekommt und am langsamsten abtrocknet.
Beim Befallsrisiko nennt das UBA die Ausrichtung nach Westen und Norden als Risikofaktor. Wer die Fassade prüft, schaut zuerst auf die Wetterseite und dort auf Dachüberstand, Tropfkanten, Sockel und Rinnen.