Wer in Bremen, im Oldenburger Land oder an der Küste die Fassade neu streichen lässt, steht schnell vor derselben Frage: Soll es eine Fassadenfarbe als Naturfarbe sein, als Silikat oder doch die klassische Dispersion? Eine Antwort, die überall gilt, gibt es nicht. Entscheidend sind der Untergrund, die Lage am Haus und die Frage, wie schnell die Wand nach einem Regenschauer wieder abtrocknet. Dieser Beitrag sortiert, was sich belegen lässt, und kennzeichnet an Ort und Stelle, was nur Erfahrungswissen ist.
Was das Klima im Norden an der Fassade verändert
Das Umweltbundesamt (UBA) fasst die Grundregel in seinen Merkblättern zum Biozideinsatz an Fassaden knapp zusammen: Was dauerhaft trocken ist, bleibt in der Regel pilz- und algenfrei, und was rasch abtrocknen kann, wird weniger befallen. Besonders gefährdet sind laut UBA schlagregen- und spritzwasserbelastete sowie dauerfeuchte Bereiche. Für den Norden heißt das: Eine Wetterseite, die oft Regen abbekommt und kaum Sonne sieht, ist der Problemfall, ganz gleich welche Farbe darauf sitzt.
Die UBA-Tabelle der Einflussfaktoren lässt sich gut auf ein Haus in Bremen übertragen. Die Einordnung in der rechten Spalte ist eine Lesehilfe von uns, die Faktoren selbst stammen aus dem UBA-Merkblatt 2 für Planer.
| Faktor (nach UBA) | Höheres Befallsrisiko | Was das am Haus bedeutet |
|---|---|---|
| Lage | Senken, Gewässernähe | Wer nah an Weser, Kanälen oder feuchten Wiesen wohnt, hat eher feuchte Luft an der Wand |
| Umgebung | Bäume und Sträucher dicht an der Fassade, Beschattung | Zurückschneiden hilft oft mehr als jede Farbwahl |
| Ausrichtung | Westen und Norden | Die Wetterseite zuerst prüfen, sie trocknet am langsamsten ab |
| Konstruktion | Kleiner oder fehlender Dachüberstand, fehlende Tropfkanten | Ein Mangel am Detail lässt sich mit Farbe nicht ausgleichen |
| Oberfläche | Gedämmte Fassaden, zum Beispiel verputztes WDVS | Das UBA führt gedämmte Fassaden unter dem Faktor Oberflächentemperatur auf |
Fassadenfarbe, Naturfarbe, Silikat: die Typen im Überblick
„Naturfarbe“ ist nach unserer Kenntnis kein einheitlich geregelter Begriff. Gemeint sind meist Farben auf mineralischer Basis, also Kalk oder Wasserglas, manchmal auch Produkte mit pflanzlichen Bindemitteln. Wer das Etikett ernst nehmen will, fragt nach der vollständigen Deklaration der Inhaltsstoffe und nicht nach dem Werbewort.
| Typ | Bindemittel | Stärken | Grenzen | Belegqualität |
|---|---|---|---|---|
| Reine Silikatfarbe | Wasserglas | Diffusionsoffen, hoher pH-Wert wirkt gegen Algen und Pilze ohne zugesetzte Konservierer | Nur auf mineralischen Untergründen sinnvoll, auf feuchten oder salzbelasteten Flächen eingeschränkt (Erfahrungswissen, in WECOBIS nicht belegt) | Gut: WECOBIS (BBSR und Bayerische Architektenkammer) |
| Dispersionssilikat | Wasserglas plus organischer Anteil | Wie eine Dispersionsfarbe als Einkomponenten-System verarbeitbar, ähnliche Eigenschaften wie reine Silikatfarbe | Enthält Kunststoffdispersion, laut WECOBIS ebenfalls nur auf verkieselungsfähigen Untergründen anwendbar; der Vorteil reiner Mineralfarbe schrumpft | Gut: WECOBIS |
| Kalkfarbe | Kalk | Stark alkalisch, deshalb in der Regel ohne Biozide | Wittert ab, Neuanstrich oft früher fällig, eher für mineralische Putze | Mittel: Fachwissen aus der Praxis, hier nicht durch eine Primärquelle geprüft |
| Kunstharzgebundene Farbe | Kunstharz-Dispersion | Breit einsetzbar, viele Varianten | Oft mit Filmschutz-Bioziden, es gibt aber auch Varianten ohne | Gut: UBA-Merkblatt 1 |
Das UBA rät, wo technisch möglich, Materialien ohne zusätzliche biozide Ausrüstung gegen Oberflächenbewuchs zu bevorzugen. Als Beispiele nennt es ausdrücklich mineralische oder kunstharzgebundene Farben und Putze. Das ist ein wichtiger Hinweis für die Entscheidung: Nicht der Rohstoff „Natur“ entscheidet, sondern ob die Farbe mit oder ohne Filmschutz ausgerüstet ist.
Algen: Was eine Farbe leisten kann und was nicht
Algen und Pilze erscheinen als grau-grünlicher bis schwarzer Belag. Nach dem UBA ist ein Verlust der bauphysikalischen Funktion dadurch nicht bekannt, es geht also zuerst um das Aussehen. Auf hellen Flächen fällt der Belag stärker auf als auf dunklen.
Filmschutz-Biozide in Farben und Putzen wirken nur zeitlich begrenzt, weil die Wirkstoffe ausgewaschen oder abgebaut werden. Sie gelangen mit dem Regen in Boden und Gewässer. Wo auf Biozide nicht verzichtet werden kann, empfiehlt das UBA verkapselte Wirkstoffe, bei denen die Auswaschrate vor allem im ersten Jahr deutlich sinkt.
Wer ohne Chemie auskommen will, hat mehrere Hebel, und die meisten kosten kaum etwas:
- Dachüberstände, Tropfkanten an Fensterbänken und ein Sockel, der Spritzwasser abführt, wirken laut UBA dauerhaft, im Gegensatz zum Biozid.
- Büsche und Bäume nahe der Fassade zurückschneiden, damit die Wand abtrocknen kann.
- Regenrinnen und andere wasserabführende Bauteile frei halten.
- Ersten Bewuchs nass abwaschen oder abbürsten, bevor er sich festsetzt.
- Vor einem Neuanstrich vorhandenen Befall entfernen, bevorzugt mechanisch.
Was bei Befall vor dem Neuanstrich passiert
Ein Neuanstrich über lebendem Belag hält nicht. Das UBA verlangt im Renovierungsfall, vorhandenen Algen- und Pilzbefall vor dem Anstrich zu entfernen, bevorzugt durch Abwaschen oder Abbürsten. Nur wenn das im Einzelfall nicht reicht, kommen biozide Mauerschutzmittel oder Grünalgenentferner infrage, und dann unter Beachtung der Sicherheitsvorschriften.
Ungeeignete Reinigung kann schaden: Das UBA weist darauf hin, dass sie die Auswaschung von Bioziden aus dem alten Anstrich erhöhen kann. Aggressives Abstrahlen der Fassade ist deshalb kein Selbstzweck. Sinnvoll ist ein auf Untergrund und Belag abgestimmtes Vorgehen, das der Fachbetrieb im Angebot beschreibt.
Auch die Farbtonwahl spielt eine kleine Rolle. Das UBA schreibt, dass grau-grüne bis schwarze Verfärbungen auf hellen Flächen deutlicher auffallen als auf dunklen. Das ändert nichts am Befallsrisiko, aber an der Frage, wie schnell der Belag stört.
Welche Farbe zu welchem Untergrund passt
Die Farbwahl folgt dem Untergrund, nicht umgekehrt. Ein Fachbetrieb prüft Tragfähigkeit, Saugverhalten und vorhandene Beschichtungen, bevor er ein System festlegt. Die folgende Tabelle gibt eine grobe Orientierung und ersetzt diese Prüfung nicht.
| Untergrund | Naheliegende Wahl | Worauf achten |
|---|---|---|
| Mineralischer Putz (Kalk- oder Kalkzementputz) | Silikat oder Kalk | Untergrund muss tragfähig und trocken sein |
| Kunstharzputz oder alter Dispersionsanstrich | Ein vom Hersteller für diesen Untergrund freigegebenes System, zum Beispiel ein Kunstharzsystem | Silikatfarben sind laut WECOBIS nur für verkieselungsfähige, mineralische Untergründe angegeben, auch Dispersionssilikat |
| Sichtmauerwerk oder Klinker | In der Regel nicht streichen | Erst Fachbetrieb und gegebenenfalls Denkmalpflege fragen, ein Anstrich ist kaum umkehrbar |
| Holz (Verkleidung, Giebel) | Eigene Holzsysteme, zum Beispiel Öle oder Lasuren | Reine Silikatfarbe ist hierfür nicht gedacht |
Keiner dieser Anstriche ist als Wärmedämmung gedacht. Wer auch den Wärmeschutz verbessern will, sollte beides getrennt betrachten. Eine nüchterne Einordnung der Alternativen zum Dämmverbundsystem steht im Beitrag Fassade dämmen ohne WDVS: Dämmbeschichtungen im Realitätscheck. Was Ablauf und Kosten eines Anstrichs in Bremen betrifft, hilft Fassade streichen in Bremen weiter.
Häufige Fragen zur Fassadenfarbe im Norden
Ist Silikatfarbe wirklich ohne Biozide?
Reine Silikatfarbe schützt laut WECOBIS durch ihre Alkalität vor Algen und Pilzen, ohne dass zusätzliche Konservierungsstoffe nötig sind. Dispersionssilikatfarben enthalten höhere organische Anteile, dort schrumpft dieser Vorteil. Wer sicher gehen will, fragt beim Hersteller schriftlich nach Filmschutz-Bioziden. Laut UBA müssen Anbieter seit dem 1. September 2013 auf Anfrage binnen 45 Tagen kostenfrei über biozide Inhaltsstoffe behandelter Farben und Putze Auskunft geben.
Kann ich Silikatfarbe auf einen alten Dispersionsanstrich streichen?
Silikatfarben lassen sich laut WECOBIS nur auf rein mineralischen, verkieselungsfähigen Untergründen anwenden, das gilt auch für Dispersionssilikatfarben. Auf einem alten Kunstharzanstrich kommt deshalb nur ein System infrage, das der Hersteller ausdrücklich für diesen Untergrund freigibt. Das entscheidet der Fachbetrieb nach einer Untergrundprüfung.
Wie oft muss die Fassade neu gestrichen werden?
Dafür gibt es keine belastbare Pauschalzahl, sie hängt von Produkt, Wetterseite und Pflege ab. Das UBA nennt als Pflicht stattdessen das regelmäßige Inspizieren, Reinigen bei Staub und erstem Bewuchs sowie das Freihalten der Regenrinnen. Wer diese Pflege einhält, verlängert die Lebensdauer jeder Beschichtung.
Bringt ein Algizid-Zusatz im Anstrich dauerhaft Ruhe?
Nein. Das UBA beschreibt die Schutzwirkung biozider Filmschutzmittel als zeitlich begrenzt, weil die Wirkstoffe ausgewaschen oder abgebaut werden. Dauerhaft wirken vor allem konstruktive Maßnahmen wie Dachüberstand, Tropfkanten und ein trocknungsfreundlicher Umgebungsbereich.